Neuendorfer Geschichtsecke

 


Sonderheiten in Koblenz Neuendorf

von Elke Kastor


 

Drei Charakteristika sind von Neuendorf nennenswert:

ein Toreingang

ein Baum und

ein Gäßchen.

Im ersten Augenblick mag man nicht glauben, daß sich etwas Besonderes dahinter verbirgt, doch es handelt sich um einen Toreingang über den man spricht, um einen Baum, den man als Wahrzeichen von Neuendorf betrachtet und um ein Gäßchen, das wohl als engster öffentlicher Weg von Koblenz zu betrachten ist.

Alte Ansichtskarte von Neuendorf - ganz links das LMAA-Haus und der Hüttchensbaum

Eine Inschrift, die viele in Verlegenheit brachte

Das Haus, mit der derbsprachigen Inschrift, die bei jedem, der sie entziffert, ein Lächeln hervorruft steht "Am Ufer" 11. Sein Erbauer war der k.k. Major Nell, der es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichten ließ. Nell, ein weit gereister Mann, hatte die besondere Idee gehabt, dieses Haus nach polnischer Sitte einteilen und einrichten zu lassen. Über der Toreinfahrt an der Vorderseite befand sich ein Balkon, desgleichen ein Balkon an der Hofseite über dem Düngerhaufen. An der Vorderseite hatte er auch ein großes Freskogemälde anbringen lassen, das jedoch weniger auf großes Kunstverständnis als auf die zynischen Neigungen seines Auftraggebers hinwies. In dem Haus gab es auch eine Treppe, die Major Nell, wenn er in „gehobener“ Stimmung war, mit einem Esel hinaufzureiten pflegte.

Polnisch wie das Haus, war auch die ganze Wirtschaftsführung in ihm. Verbrauchten schon die sonderbaren Launen des Majors recht viel Geld, so geriet er noch dazu durch den für ihn ungünstigen Ausgang eines Prozesses in große finanzielle Bedrängnis. Böswillige Gerüchte der lieben Nachbarn über seine Vermögensverhältnisse suchten seine wirkliche Lage noch viel schlimmer darzustellen, als sie war. Aber Nell war nicht der Mann, der sich verblüffen ließ. Um die Verleumder Lügen zu strafen, ließ er in den Torbogen seiner Hauseinfahrt eine Innschrift einmeisseln, deren derbbiedere Sprache noch heute manches Lächeln hervorruft. Außer dem Wappen des Majors und der Jahreszahl 1732 liest der Vorübergehende heute wieder den lakonischen Ausspruch, der eine Abwehr und Aufforderung zugleich bedeutet: „Dieses Haus und Hofe ist frey, wer es nicht glauben will, der ............. und gehe vorbej“.

Die Pünktchen haben die späteren Besitzer nicht selten in Verlegenheit gebracht. Sie waren sich nicht bewusst, eine in allen Katalogen verzeichnete Sonderheit zu hegen und ließen die Inschrift überpinseln. Die Regierung erhob damals Einspruch und so prangt heute wieder die nicht gerade höfliche Aufforderung an der Hauswand. (Das Haus ist heute im Besitz der Erbengemeinschaft Schaaf, die dankenswerterweise diese Aufzeichnungen zur Verfügung stellte.)

Alte Ansichtskarte des Hauses "Nell"

„Hüttchensbaum“ gilt als Wahrzeichen des Vorortes

Für die Neuendorfer Bürger ist der Hüttchens­baum das    Wahrzeichen ihres Ortes. Seinen Namen hat der Baum aus der Tatsache bezogen, dass unter ihm lange Jahrzehnte die Hütte des Fährmanns stand und wohl früher einmal ein Zollhäuschen.

Bis zum Kriege gab es übrigens zwei Hüttchensbäume. Der eine mußte gefällt werden, weil dumme Jungen ihn wiederholt in Brand steckten und die Gefahr bestand, daß sich feindliche am Lichtschein orientieren könnten. Der Baum war inwendig völlig morsch und faul. Er fiel der Axt zum Opfer.

Der Hüttchensbaum - Ein Wahrzeichen von Neuendorf

Das schmalste Gässchen von Koblenz

Das engste Gässchen von Koblenz ist die Karlsgasse von Neuendorf. Ein Kinderwagen kann nicht einmal ganz durchrollen. Das Gässchen ist an seiner engsten Stelle schmaler als die Schultern eines normalen Mannes. Von ihm aus führen übrigens Türen in die Häuser. Wir glauben nicht, dass irgendwo weit und Breit ein schmaleres Gässchen zu finden ist.

Aber man soll vorsichtig sein mit Behauptungen, denn kürzlich entstand der Streit, ob denn nun wirklich das schmalste Haus in der Mehlgasse oder der Kellereibootsgasse vom Dahl zu finden ist (entnommen der Rheinzeitung vom 6. Juli 1954).

[zurück]