Neuendorfer Geschichtsecke

 


Wer erinnert sich noch ?

von Jupp Hartmann

Quelle: 50 Jahre VdK - 26.4.97


 

Wer erinnert sich noch ?

Frau Maria Miltz, Frau des verstorbenen Metzgermeisters Jakob Miltz, erinnerte sich noch gerne an vergangene Zeiten. So saßen wir zusammen, am 23. September 1986, in ihrer Wohnung am Ufer, sie schaute zurück auf den Rhein und fing an zu erzählen. 

Nun, ich selbst stamme aus einer alten Bauemfamilie, der Familie Röhn, nach der auch die Röhnsgasse benannt wurde. Ich hatte keine leichte Jugendzeit, aber ich war immer zufrieden. Nun, vor 60 Jahren also, 1926 heiratete ich den Sohn des damaligen Metzgermeisters Christoph Jakob Miltz, Jakob Miltz. Mein Schwiegervater, also Christoph Miltz, begann als Metzger im heutigen Kolonialwarenladen Werner Rehn. Dort war auch die erste Metzgerei. Die Wurst- und Räucherküche war hinten im Hof.

Dieses wurde später als Werkstatt an die Klempnerfamilie Strunk verkauft. Mittlerweile kaufte mein Schwiegervater den Bauernhof von dem damaligen Bauer Schmitz genau gegenüber. Es war ein kleines Haus, das aber eine Scheune und einen Hof hatte. Aber auch das Nebengebäude wurde schon früher gekauft, wo dann die Metzgerei entstand, die mein Mann übernahm. Der Bauernhof wurde nun umgebaut. Aus dem Haus wurde eine Weinwirtschaft, aus dem oberen Teil entstanden Wohnungen. Aus der Scheune entstand die Wurstküehe. Somit wurde es ein stattliches Haus. An der Hausfront ließ man Fresken von "Vater Rhein" und "Mutter Mosel" anbringen. An dem linken Giebel wurde die Göttin der Fruchtbarkeit angebracht, an dem Rechten die Göttin der Jugend. Über der Theke der Metzgerei konnte man noch bis zur Übernahme von Jakob Miltz Junior, also Friedrich Jakob Miltz, folgenden Spruch lesen: "Ochsen - Rinder - Kälber - Schweine haben Knochen und auch Beine, darum soll auch beim Verwiegen, jeder etwas Knochen kriegen." Leider ist dieser Spruch entfernt worden.

Da aber die Weinwirtschaft nur noch an Kirmes und Fasenacht geöffnet werden konnte, entschloß man sich, die Metzgerei zu vergrößern. So ist heute das alte Bauernhaus die Metzgerei. Aber zurück zum Verkauf des Bauernhofs. Da der Bauer nur zwei Töchter hatte, verkaufte die eine Tochter, die einen gewissen Arndt geheiratet hatte, an die Familie Miltz. Die Familie Arndt hatte auf dem Alten Hof eine große Blaufärberei. Der Name Blaufärberei deshalb, weil sie alle Stoffe nur blau färbten. Das Haus am Ufer, wo ich und meine Tochter heute wohnen, gehörte einem Schiffer und Kapitän namens Urmetzer. Als Frau Miltz, mich und meine Frau durch das Haus führte, waren wir begeistert von der Bauweise und den schönen Räumlichkeiten ohne jeden Luxus. Ich fragte sie, wieviel Bauern früher in Neuendorf gewohnt haben. Genau konnte sie es auch nicht mehr sagen, doch es müssen ungefähr in Neuendorf und Wallersheim etwa 70 gewesen sein, erzählte sie uns.

Aber auch über die Eiskeller und einige Gasthäuser wußte Frau Miltz noch gut Bescheid. Ein Eiskeller war direkt neben deinem Haus am Friedhofsweg, erzählte sie mir. Das Grundstück gehörte dem Bauer Lambert Urmetzer am Rhein. Der zweite Eiskeller befand sich neben der Einfahrt zur Alten Brauerei. Neben dieser Einfahrt war früher ein großes Tor, und wo heute die Familie Ower wohnt, ging eine Rutsche in den Eiskeller. Die anschließenden Häuschen waren Wohnungen für Kutscher und Arbeiter der Schaafsbrauerei.

Nun, die Alte Brauerei, lange Jahre Stammhaus der Schaafsbrauerei in Niedermendig, wurde zu meiner Zeit von einem Herrn Breuer verwaltet. Bei ihm wurde des öfteren ein Schlachtfest abgehalten. Schon vor 6.00 Uhr hatte er geöffnet, weil ja die Niederwerther auf dem Rückweg vom Markt in der Stadt hier in Neuendorf anlegten, um einen Schnaps zu sich zu nehmen. So hieß dieser Schnaps bald Werther Schnaps. Später übernahm Rosa Müllers das Gasthaus. Wie lange noch das Schaafsbier ausgeschenkt wurde, weiß ich nicht mehr ganz genau. Der Nachfolger der Rosa Müllers war Georg Rehn, dessen Sohn das Kolonialwarengeschäft auf der Hochstraße führte. Rehn Schorsch, wie wir hier sagen, hatte schon Königsbacher im Ausschank. Aber eine Flasche der Schaafsbrauerei mit Bajonettverschluß ist erhalten geblieben. Diese ist im Besitz von Hausmeister Paul Kasper, der sie beim Abbruch eines Teiles der Schule in der Handwerkerstraße gefunden und gerettet hat. Nach Georg Rehn übernahm die Familie Adolf Weber die Gaststätte. Durch die hervorragende Küche wurde die Alte Brauerei weit über Koblenz hinaus bekannt. In dieser Zeit wurde es auch ein Stammlokal der TuS Neuendorf, der berühmten "Gauchel-Elf ".

Nach dem Erreichen der Altersgrenze übernahm dann die Familie Jakobs, heute in Kobern wohnend, die Gaststätte. Seit nun 15 Jahren wird das Gasthaus von der Familie Eilens geführt. Seit zwei Jahren hat nun Manfred Tönnes das Gasthaus übernommen.

Nun noch etwas von dem Gasthaus Prümm am Ufer. Dieses gehörte der Familie Bernhard und wurde von Mathias Bernhard bewirtschaftet. Da er aber noch anderweitig beschäftigt war, nahm er einen Pächter ins Haus. Dieses war Klaus Weller aus Kesselheim, der bei Schreiner Urmetzer Schreiner gelernt hatte. Er lernte eine Frau aus der Branche kennen, und so wurde er Wirt vom Gasthof Prümm. Später übernahm dann Heinrich Keller mit seiner Frau, die beide aus Sinzig stammten, das Gasthaus. Lange Jahre behielt die beliebte Familie das Gasthaus, bis Heinrich Keller wegen eines Unfalls das Geschäft nicht weiterführen konnte. Danach übernahm Familie Keppler das Gasthaus. Seit einigen Jahren wird das Gasthaus von der Familie Zerwas geführt, und es ist auch ganz in ihren Besitz übergegangen. Heute führt sein Sohn Kurt mit Gattin die Gaststätte weiter. Seit Bestehen ist dieses Lokal Stamm- und Probelokal des Männergesangvereins 1856.

1927 gründete mein Mann den Kegelclub Neuendorfer Eck. Es waren fast nur Geschäftsleute wie Thomas Lorisika, Polsterer Anton Schmitz - auch Blitz Dunn genannt -, Mathias Bernhard, Fritz Urmetzer, Karl Müller, Stefan Urmetzer, Clemens Hähn und noch einige, die ich schon vergessen habe. 

Zum Abschluß unseres Gespräches fragte ich noch, wie der Bäckermeister Karl Müller zu dem Namen "Summ" kam. Nun, das war einfach. Auf der Theke stand immer ein Glas mit Hustenbonbons und die waren mit Honig gefüllt. Wenn er diese verkaufte, sagte er immer, die sind von den Bienchen Summ Summ. So bekam er dann schnell diesen Namen. Ja selbst im Fastnachtszug gingen damals Bienen mit und summten. Doch nun ist es genug für heute. Ich bedankte mich sehr herzlich und wünschte Frau Miltz noch einen langen Lebensabend.

Leider ist auch sie seit ein paar Jahren verstorben.

Josef Hartmann, im Januar 1997

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